Geschichte

 

 JahrEreignis

ca. 20-10.000 v. Chr.

Das heutige Tegernseer Tal entsteht durch das Vordringen einer Gletscherzunge in der Würm-Eiszeit, der letzten großen Eiszeit im europäischen Raum.

ca. 5600-3500 v. Chr.

Archäologen vermuten, dass es während der späten Jungsteinzeit zu einer ersten Besiedlung der Region um den Tegernsee kam.

ca. 5.-1. Jh. v. Chr.

Archäologische Funde weisen darauf hin, dass die Region um den Tegernsee in der La-Tène Zeit zu einem bedeutenden Siedlungsort der Kelten wurde.

1. Jh. v. – 6. Jh. n. Chr.

Auffallend wenige Beweisstücke lassen sich hingegen für einen Einfluss der Römer in der Region Oberbayern finden, wenngleich sie sich auch im Einflussgebiet des Römischen Reiches befand. Als entsprechend wahrscheinlich gilt es daher, dass die Region um den Tegernsee bis in das 6. Jahrhundert n. Chr. nur spärlich besiedelt war.

6.-8. Jh.

Der germanische Stamm der Bajuwaren siedelt sich in der Region um den Tegernsee an und begründet das Herzogsgeschlecht der Agilolfinger. Zeitgleich entsteht das sogenannte "Lex Baiuvariorum", eine Sammlung an Rechtstexten des bajuwarischen Stammesrechts, die heute zu den ältesten und wichtigsten Schriftquellen Bayerns zählt.

746

Die Brüder Adalbert und Otkar gründen die Benediktinerabtei Tegernsee, welche in den nachfolgenden Jahrhunderten zu einem der bedeutendsten Verwaltungssitze und Zentren geistigen und religiösen Lebens Bayerns werden sollte und seinen Einflussbereich bis weit in die Alpen ausdehnte. Auch heute zählt das Kloster noch zu einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Tegernsees.

779

Ein weiteres Benediktinerkloster wird am Schliersee gegründet.

788

Das bajuwarische Herzogtum wird Teil des fränkischen Reiches.

804

Die Gebeine des christlichen Märtyrers und Heiligen Quirinus werden nach einer Bittstellung beim Papst von Rom an den Tegernsee übertragen. Mit dem Erhalt eines solchen Schutzpatrons beginnt die Blütezeit der Abtei Tegernsee und setzt die intensive Besiedlung der Region Miesbach ein.

9. Jh.

Das Kloster Tegernsee entwickelt sich durch den gezielten Ankauf neuer Ländereien sowie dank Schenkungen und einer intensiven Landwirtschaft zu einem der wohlhabendsten Klöster ganz Bayerns. 817 wird die Abtei zum Reichskloster ernannt.

921

Der bayrische Herzog Arnulf I. benötigt für den Kampf gegen die nach Westen ziehenden Ungarn finanzielle Mittel und beschließt, verschiedene Klöster der Region zu säkularisieren – darunter auch das Kloster Tegernsee. Später erhält er für dieses Vorgehen den Beinamen "der Böse".

978-79

Unter Kaiser Otto II. wird das Kloster Tegernsee wieder zum Reichskloster ernannt und erhält den Großteil seiner vorherigen Besitztümer zurück. Brandschäden aus dem Jahr 970 werden behoben. Eine zweite Blütephase der Abtei beginnt, die über drei Jahrhunderte dauern und das Kloster zu einem Zentrum der Buchmalkunst werden lassen sollte. Auch Glasmalerei und Erzgießerei gehörten zu den Handwerkskünsten, die im Kloster betrieben wurden, und dank welcher es bald überregionale Berühmtheit erlangte.

11. Jh.

Der Ruhm der Tegernseer Handschriften erreicht seinen Höhepunkt, als der erste deutsche Ritterroman "Ruodlieb" von einem der im Kloster Tegernsee ansässigen Mönche in lateinischer Sprache verfasst und illustriert wird.

1321

Das Kloster Tegernsee erhält das Recht, für die Region des Tegernseer Tals die niedere Gerichtsbarkeit auszuführen.

14. Jh.

Das Ende der Blütezeit des Klosters Tegernsee kündigt sich an, als Misswirtschaft und ein Nachlassen in der bislang gerühmten Ordensdisziplin zutage treten.

1426

In Reaktion auf die wachsenden Missstände in der Klosterverwaltung wird eine Reform des Klosters Tegernsee durchgeführt, die unter anderem dazu führt, dass fortan auch Mitgliedern anderer Gesellschaftsschichten als dem Adel der Beitritt zum Kloster gestattet wird. 

1476

Renovierungen und Ausbauarbeiten am Klostergebäude, allen voran an der Basilika, verleihen der Abtei ihren heutigen Grundriss.

15.-16. Jh.

Das Kloster Tegernsee – und damit auch die umliegenden Lande – finden zu ihrer vorherigen wirtschaftlichen Effizienz und kulturellen Blüte zurück. Insbesondere der Buchdruck und die Landwirtschaft – darunter Weinanbau und Bierbrauerei – florieren.

1537

Die Buchmalereitradition des Klosters kulminiert in der Gründung einer klostereigenen Druckerei und dem daraus folgenden Ausbau der Klosterbibliothek. Bis zur Auflösung des Klosters werden in dieser Bibliothek beinahe 40.000 Bände gesammelt.

1618-1648

Während des 30-jährigen Krieges bricht im Tegernseer Tal die Pest aus; zum Kriegsschauplatz wird die Region jedoch nicht.

2. Hälfte des 17. Jh.

Unter Abt Bernhard Wenzel wird dem Kloster Tegernsee ein barockes Aussehen verliehen. Zu den wichtigsten Arbeiten zählen die Fresken im Inneren der Klosterkirche sowie der Ausbau der verschiedenen Klosterwerkstätten.

1746

Das Kloster Tegernsee feiert sein 1000-jähriges Jubiläum.

1803

Infolge der Großen Säkularisation Napoleons wird auch das Kloster Tegernsee verstaatlicht, seines Vermögens und seiner Kulturschätze enteignet und als Klosteranlage aufgelöst.

1805

Der Weiterverkauf der Klosteranlage erweist sich als schwierig und wenig gewinnbringend. Schließlich erwirbt der bayrische Baron von Drechsel das Kloster, lässt diverse Gebäudeteile zur Reduzierung der laufenden Kosten abreißen und investiert stattdessen vor allem in die Klosterbrauerei.

1815-1821

Das ehemalige Kloster Tegernsee wird durch einen glücklichen Zufall vor seinem endgültigen Ruin bewahrt: Als die bayrische Königsfamilie die Region des Tegernseer Tals besucht, findet Königin Auguste Gefallen an dem Anwesen. Nach dem Erwerb der Überreste des Klosters durch König Max I. wurde die Anlage zur Sommerresidenz des Königspaares und entwickelte sich unter dessen Einfluss zu einem der beliebtesten Kurorte des 19. Jahrhunderts in ganz Bayern.

19. Jh.

Das Tegernseer Tal wird zum neuen Erholungszentrum des europäischen Adels. Statt der Landwirtschaft zählt fortan der Fremdenverkehr zu den Haupteinnahmequellen der Region. Auch viele Künstler, darunter den bayrischen Schriftsteller Ludwig Thoma, zieht es zunehmend an den Tegernsee.

1920-1945

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges entwickelt sich das Tegernseer Tal rasch zu einem der Zentren des aufkeimenden Nationalsozialismus. Fotografien belegen bereits für das Jahr 1920 ein erstes Zurschaustellen von NS-Flaggen; im Laufe der 30er Jahre erwerben zahlreiche Mitglieder der hitlertreuen Elite, darunter auch Heinrich Himmler und Max Amman, Ferienvillen am Ufer des Tegernsees. Aufgrund seiner Beliebtheit bei der wohlhabenden Oberschicht erhält der Tegernsee den Beinamen "Lago di Bonzo".

1950er Jahre

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges werden viele der einstigen Privatvillen in Hotelgebäude umgebaut. Der Tourismus beginnt von Neuem zu florieren.

1960er Jahre

Rund um den Tegernsee wird eine Ringkanalisation erbaut, dank der das Wasser des Sees bis heute seine absolute Klarheit und Sauberkeit bewahren konnte. Eine weitere Folge des Kanalbaus war ein effizienter Baustopp für neue Gebäude, sodass der See trotz des starken Tourismus der Region nichts an seiner ursprünglichen Idylle einbüßen musste.

1966

In der Stadt Tegernsee wird das Olaf-Gulbransson-Museum eröffnet.

1974

Die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung richtet im Wildbad Kreuth eines seiner Bildungszentren ein.

1999

Das Heimatmuseum Tegernseer Tal öffnet seine Pforten.

2000

Das Tegernseer Tal wird zum jährlichen Austragungsort der Montgolfiade, einem Heißluftballonfestival.

2015

Der Tegernsee wird zum Austragungsort der ersten deutschen Meisterschaft für Heißluftschiffe.